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12. Die Nachtigall (Storm)
Die Nachtigall
Das macht, es hat die Nachtigall
Die ganze Nacht gesungen;
Da sind von ihrem süßen Schall,
Da sind in Hall und Widerhall
Die Rosen aufgesprungen.
Sie war doch sonst ein wildes Blut;
Nun geht sie tief in Sinnen,
Trägt in der Hand den Sommerhut
Und duldet still der Sonne Glut
Und weiß nicht, was beginnen.
Das macht, es hat die Nachtigall
Die ganze Nacht gesungen;
Da sind von ihrem süßen Schall,
Da sind in Hall und Widerhall
Die Rosen aufgesprungen.
Theodor Storm: Gedichte
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7. Osterspaziergang
Goethes Osterspaziergang
Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dort her sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flur.
Aber die Sonne duldet kein Weißes,
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlts im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurück zu sehen!
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden:
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht,
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß in Breit und Länge
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und, bis zum Sinken überladen,
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein:
Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!
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13. Im Vorübergehen (Goethe)
IM VORÜBERGEHEN
Ich ging im Felde
So für mich hin,
Und nichts zu suchen,
Das war mein Sinn.
Da stand ein Blümchen
Sogleich so nah,
Daß ich im Leben
Nichts lieber sah.
Ich wollt es brechen,
Da sagt es schleunig:
Ich habe Wurzeln,
Die sind gar heimlich.
Im tiefen Boden
Bin ich gegründet ;
Drum sind die Blüten
So schön geründet.
Ich kann nicht liebeln,
Ich kann nicht schranzen;
Mußt mich nicht brechen,
Mußt mich verpflanzen.
*
Ich ging im Walde
So vor mich hin;
Ich war so heiter,
Wollt immer weiter -
Das war mein Sinn
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8. Liebesgedicht von Peter Hacks
Den Typen (aus der DDR, 1928-2003) kennt man nicht unbedingt – hatte seinen Namen noch nie gehört, aber Frank Schirrmacher, der Ober-Feuilletonist der FAZ hat dies Gedicht rausgekramt und hochgelobt und – es ist wirklich ausnahmslos schön:
Leider hat es keinen Titel in dem Bericht gehabt – deswegen einfach nur Liebesgedicht:
Beeilt euch, ihr Stunden, die Liebste will kommen.
Was trödelt, was schleppt ihr, was tut ihr euch schwer?
Herunter da, Sonne, und Abschied genommen.
Verstehst du nicht, Tag, man verlangt dich nicht mehr.
Mit seinen Droschken und Schwalben und Hunden
Wird mir das ganze Leben zum Joch.
Schluß mit Geschäften. Beeilt euch, ihr Stunden.
Und wärt ihr Sekunden, ich haßte euch noch.
Ich kann nicht erwarten, den staunenden Schimmer
In ihrem zärtlichem Auge zu sehn.
Verschwindet, ihr Stunden, am besten für immer.
Die Liebste will kommen, die Welt soll vergehn.
Schirrmacher schreibt dazu – heute am 9.3.2008 in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung – ein paar beeindruckende Sätze über Gedichte allgemein und dieses hier im besonderen:
“Die Frage ist, ob diese paar Zeilen eine halbe Bibliothek von Gemeinheiten aufwiegen (Hacks war wohl ein DDR-Verfechter und unangenehmer Zeitgenosse).Die Antwort lautet, dass neunzig Worte in der richtigen Reihenfolge mehr wert sind als zehntausend Worte in der falschen. Das Letztere ist Gesellschaft, das Erstere ist Kunst. Es braucht viel Rechnerkapazität, um aus neunzig einfachen Worten ein solches Gebilde zu machen. In der deutschen Literatur dauerte es von den Merseburger Zaubersprüchen bis zu dem Tag, da Hacks dieses Gedicht schrieb. Es ist nach Maßgabe strengster Kriterien: vollendet. Es vermag in zwölf Zeilen die Ungeduld des Liebenden in eine Ungeduld des Gedichts zu verwandeln, ein Text, der beim Lesen selbst immer schneller zu fließen scheint und dabei das Wunder zustande bringt, Liebesausbruch und Wutausbrauch in eine einzige Form zu bringen.”
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14. Der Herbst steht auf der Leiter (Hacks)
Der Herbst steht auf der Leiter von Peter Hacks
Der Herbst steht auf der Leiter
Und malt die Blätter an,
Ein lustiger Waldarbeiter,
Ein froher Malersmann.
Er kleckst und pinselt fleißig
Auf jedes Blattgewächs,
Und kommt ein ein frecher Zeisig,
Schwupp, kriegt der auch ´nen Klecks.
Die Tanne spricht zum Herbste:
Das ist ja fürchterlich,
die anderen Bäume färbste,
Was färbste nicht mal mich?
Die Blätter flattern munter
Und finden sich so schön.
Sie werden immer bunter.
Am Ende falln sie runter.
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Bin mal gespannt, wer hier noch Gedichte kennt....
Das ist wohl nur der harte kern.
So was lernt ma doch heute nicht mehr.
Die glocke find ich nicht ( text)
Dann must du es aus dem kopf aufschreiben
Viel spass jason
10 punkte für den der die verse der glocke aufschreibt.
10 punkte für den der die verse der glocke aufschreibt.
Nu mal her mit de 10 Punkte ;-) Ist wirklich ein schönes Gedicht und ich bin immer wieder begeistert, wieviel davon in den ganz normalen Sprachgebrauch eingegangen ist und heute noch tagtäglich verwendet wird....
O.K. du bekommst die Punkte von meinen Punkzen ab.Sag mal euren Punktervergeber bescheid
Cool, Benjamin, dass Du noch ein paar weitere Gedichte hinzugefügt hast...das wird noch eine richtige Gedichtesammlung hier...:-) Wozu woobby so alles gut ist...überrascht mich selber immer wieder.
woobby bildet halt,pisa lässt grüssen :- )