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-Das Birkenbäumchen

Das Birkenbäumchen


Ich weiß den Tag, es war wie heute,

ein erster Maitag, weich und mild,

und die erwachten Augen freute

das übersonnte Morgenbild.


Der frohe Blick lief hin und wieder,

wie sammelt er die Schätze bloß?

So pflückt ein Kind im auf und nieder

sich seine Blumen in den Schoß.


Da sah ich dicht am Wegesaume

ein Birkenbäumchen einsam stehn,

rührend im ersten Frühlingsflaume.

Konnt’ nicht daran vorübergehn.


In seinem Schatten stand ich lange,

hielt seinen schlanken Stamm umfaßt

und legte leise meine Wange

an seinen kühlen Silberbast.


Ein Wind flog her, ganz sacht, und wühlte

im zarten Laub wie Schmeichelhand.

Ein Zittern lief herab, als fühlte

das Bäumchen, daß es Liebe fand.


Und war vorher die Sehnsucht rege,

hier war sie still, in sich erfüllt;

es war, als hätte hier am Wege

sich eine Seele mir enthüllt.


Gustav Falke (1853-1916)

erstellt vor 49 Monaten | letzes Update vor 49 Monaten

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